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Frauen Gründen anders

  • reufzaat
  • 28. Nov. 2025
  • 6 Min. Lesezeit


Die BPW Düsseldorf präsentieren auf der Start-up-Week im September 2025 fünf inspirierende Unternehmerinnen: Selma Fehrmann, die Menschen und Unternehmen aktiv für Arbeitsglück inspirieren möchte, Katrin Kremer, die mit Women Remote einen KI-Leadership-Hub für Frauen gegründet hat, Dr. Anna Katharina Meyer, Speakerin für Nachhaltigkeit und Co-Founderin von FindingSustainia, Norvisi Stanic - Kommunikation in Balance, die Menschen lehrt, professionell zu präsentieren und Kateryna Kabanova, die mit Leidenschaft aus einem Event einen unvergesslichen Moment kreiert (We Deko Creative Studio Düsseldorf).
Die BPW Düsseldorf präsentieren auf der Start-up-Week im September 2025 fünf inspirierende Unternehmerinnen: Selma Fehrmann, die Menschen und Unternehmen aktiv für Arbeitsglück inspirieren möchte, Katrin Kremer, die mit Women Remote einen KI-Leadership-Hub für Frauen gegründet hat, Dr. Anna Katharina Meyer, Speakerin für Nachhaltigkeit und Co-Founderin von FindingSustainia, Norvisi Stanic - Kommunikation in Balance, die Menschen lehrt, professionell zu präsentieren und Kateryna Kabanova, die mit Leidenschaft aus einem Event einen unvergesslichen Moment kreiert (We Deko Creative Studio Düsseldorf).

ein Rückblick auf die Gründungswoche 2025


Vor einigen Tagen wurde mir im Rahmen der Gründungswoche Deutschland von einer Kooperationspartnerin (ganz lieben Dank an @Aline Pelzer vom gründungs.center in Mönchengladbach) eine Studie des RKW-Kompetenzzentrums aus Juli 2024 übermittelt.


Die Studie betrachtet die Entwicklung der Gründungsaktivitäten von Frauen über zwei Jahrzehnte (2001–2023) und zeigt: Trotz positiver Trends bleibt ein Gendergap bestehen.


Deutschland erreichte laut Global Entrepreneurship Monitor (GEM) 2024/2025 eine Gründungsquote von 9,8 % – die höchste seit 1999. Besonders erfreulich: Die Gründungsquote von Frauen erreicht 2024 mit 8,5 % ein Allzeithoch, ein Plus von 2,6 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. Auch bei den Männern steigt die Quote – auf 11 %.

Der Gendergap bei Gründungen schrumpft also, aber am Ende bleibt eben doch ein Gap.


Warum ist das so? Das hat mich neugierig gemacht und ich habe weiter recherchiert:


Die Studie des RKW hat Ursachen hinterfragt, beschreibt Unterschiede im Gründungsverhalten und zeigt 14 Handlungsfelder auf, wie man Frauen zum Thema Gründung aktivieren kann.


Warum gründen Frauen in Deutschland noch immer seltener als Männer?


Die Gründe sind sicherlich vielfältig, aber auf 2 wesentliche Aspekte möchte ich ein Spotlight setzen:


1.      Auffällig ist, dass Männer ihre Gründungsfähigkeiten signifikant besser einschätzen als die Frauen. Während 53,4% der Männer ihre eigenen Fähigkeiten und ihre Erfahrung zur Gründung positiv einschätzen, liegt der Anteil bei den Frauen nur bei 30,5%, ein Unterschied von mehr als 20%. Das Phänomen ist grundsätzlich nicht neu und betrifft auch Frauen in Angestelltenverhältnissen. Frauen neigen dazu, ihre eigenen Fähigkeiten zu unterschätzen.

2.      Ein zweiter ganz erheblicher Unterschied besteht beim Zugang zu Gründungskapital. Schon 2022 stellte NOS News vor: „„Vrouwelijke ondernemers trekken moeilijker kapitaal aan“ – Frauen ziehen das Kapital weniger an, wörtlich übersetzt.

Und tatsächlich: Frauen haben es schwerer als Männer, Kapital für ihr Unternehmen zu bekommen. Zu diesem Ergebnis kam die ABN Amro Bank auf Basis eigener Untersuchungen. Die Bank befragte mehr als 600 Unternehmerinnen und Unternehmer. Beide Gruppen gaben an, dass es schwierig sei, Kapital zu erhalten – doch Frauen berichten deutlich häufiger von solchen Erfahrungen als Männer. Die Befragten waren Kundinnen und Kunden verschiedener Banken.

 

Auch in späteren Phasen der Unternehmensentwicklung haben Unternehmerinnen es schwerer, mit auffälligen Unterschieden. So wachsen z.B. drei Mal so viele Männer wie Frauen mit ihrem Unternehmen weiter. Außerdem gelingt es vier Mal so vielen Männern wie Frauen, ihr Unternehmen nach einigen Jahren erfolgreich zu erhalten.

Eine mögliche Erklärung liege darin, so NOS bzw. AMRO seinerzeit, dass Frauen andere Prioritäten setzten – wie sie auch in der Umfrage selbst angeben. So gründen sie häufiger als Männer, um einen positiven Beitrag für ihr Umfeld zu leisten. Außerdem empfinden sie es beispielsweise als weniger angenehm, ihre Idee in einem Raum voller Männer zu präsentieren. Und ihnen ist es wichtiger, selbst auswählen zu können, mit wem sie zusammenarbeiten. Auch fehlen ihnen häufig persönliche, am besten weibliche Ansprechpartner*innen in den Finanzinstituten, denen sie ihre Situation oder Geschäftsidee schildern können.

 

Noch ein weiteres bemerkenswertes Ergebnis: Junge Frauen – sogenannte „Young Professionals“ – fühlen sich weniger verantwortlich für die finanziellen Belange im Haushalt. 56 Prozent der Frauen, aber 80 Prozent der Männer sehen sich selbst hierfür zuständig.

 

Das Problem Frauen und Finanzen scheint also vielschichtig zu sein. Keine neue Erkenntnis für mich, aber eine, die mich immer wieder überrascht, weil meine eigene Lebensrealität seit Jahrzehnten eine andere ist.

 

Was unterscheidet Frauen beim Gründen?


Die Daten des RKW zeigen einige klare Muster:


  • Frauen gründen seltener in Vollzeit. 59 % der Gründerinnen starten im Nebenerwerb – vor allem Frauen ab Mitte 30 mit Care-Verantwortung .

  • Frauen gründen später. Gründerinnen sind im Durchschnitt 39 Jahre alt, Männer 35 . Oft ist der Auslöser ein beruflicher Übergang: Arbeitslosigkeit, Neuorientierung oder der Wunsch nach mehr Selbstbestimmung.

  • Frauen haben kleinere Netzwerke. 76 % kennen andere Gründer oder Gründerinnen persönlich, bei den Männern sind es 87 % . Das wirkt sich auf Mut, Sichtbarkeit und Zugang zu Finanzierung aus.

  • Frauen setzen öfter auf Sinn & Wirkung. „Die Welt verändern“ wird von 49 % der Gründerinnen als Motivation genannt – bei Männern liegen andere Antreiber vorne wie Einkommen oder Status .

 

Das heißt aber nicht, dass Frauen „schlechter“ gründen. Im Gegenteil: Frauen gründen anders. Und genau darin liegen enorme Potenziale, die bislang zu wenig Berücksichtigung finden. Frauen gründen risikobewusster, sorgfältiger, oft nachhaltiger. Sie planen früh die Bedürfnisse der Zielgruppe ein und wägen Verantwortung vorsichtig ab.

Der Wunsch nach Sinn und Wirkung (neudeutsch: „purpose“) kennzeichnet weibliche Gründungen, damit liegen die Damen absolut im Trend. Eine klare Mission ist kein Nice-to-have, es ist ein strategischer Vorteil.

Warum? Einerseits erleichtert eine Mission die Positionierung (warum tue ich es?, für wen tue ich es? was verändert sich dadurch?), andererseits ist eine hohe intrinsische Motivation ein echter Resilienzfaktor und trägt wie ein innerer Motor durch schwierige Phasen hindurch.

Das Problem scheint also weniger ein „Aufholbedarf“ der Frauen zu sein, sondern ein Mismatch zwischen Förderlandschaft, Kommunikationskultur und den Lebensrealitäten vieler Frauen.

 

Was Frauen beim Gründen unterstützen würde?


Aus den Fokusgruppen des RKW Kompetenzzentrums (2024) ergeben sich 14 klare Handlungsempfehlungen, wie man Frauen für das Thema Selbstständigkeit gewinnen und sie gleichzeitig zielgerichtet ansprechen könnte.*


Rubrik MOTIVATION/INSPIRATION

Wodurch spreche ich potenzielle Gründerinnen an?


  1. Realistische Vorbilder zeigen. Nicht nur Top-Rolemodels, jung, dynamisch, sondern Porträts von ganz normalen Frauen aus der Region, die ehrlich über Hürden und Erfolgsfaktoren sprechen.

 

  1. Mehr Mut machen, weniger Perfektion einfordern. Frauen glauben oft, sie müssten mit einer komplett ausgereiften Idee starten. Kommunikation sollte betonen: Eine erste Skizze reicht.


  2. Nebenerwerbsgründungen aktiv sichtbar machen. Gerade Frauen 40+ profitieren davon, das Risiko klein zu halten und parallel auszutesten.


  3. Team- und Teilzeitgründungen hervorherben.Frauenspezifische Gründungsmuster wie zum Beispiel Teamgründungen, Teilzeit-Gründungen können in den Beratungsgesprächen oder bei Veranstaltungen und Präsentationen stärker in den Fokus rücken.



Rubrik ANSPRACHE

Womit spreche ich potenzielle Gründerinnen an?


  1. Ausgewogene Bildsprache verwenden

    und dabei Diversität berücksichtigen. In Fotostrecken sollten Frauen in unterschiedlichem Alter als Gründerinnen abgebildet werden, Frauen mit Migrationshintergründen, um die die Bandbreite von weiblichen Gründungen in Fotomotiven zum Ausdruck zu bringen.


  2. Gendergerechte Ansprache wählen. Auch wenn es aktuell nicht „en vogue“ ist: die Wahl der Sprache beeinflusst die Wahrnehmung. Um in der Kommunikation Wirkung zu erzeugen, kann es helfen, Frauen direkt anzusprechen oder zumindest genderneutral zu kommunizieren. Auch zweisprachige Kommunikation deutsch-englisch hilft, internationale Gründerinnen anzuziehen.


  3. Stereotype abbauen. Gründung ist nicht nur etwas für „jung, dynamisch, Tech-Bro“. Frauen können in allen Branchen gründen, von Handwerk bis High-Tech. Und es braucht nicht immer nur die eine geniale Idee, die Marktnische. Manchmal reicht es schon, das, wofür man sich begeistert, besonders gut zu machen, mit klarer Positionierung.


 

Rubrik KOMMUNIKATIONSKANÄLE

Über welche Kanäle spreche ich potenzielle Gründerinnen an?


  1. Offline-Medie berücksichtigen. Die Welt ist digital geworden, ja, aber: die meisten Menschen leben immer noch analog, oder. Wenn das Leben scheinbar nur in sozialen Netzwerken stattfindet, wird der Wert klassischer Medien häufig unterschätzt: Flyer in Orten, die Frauen häufig besuchen, regionale Printmedien, Frauenzeitschrift, all dies kann helfen, das Thema besser zu besetzen. Das bestätigte mir kürzlich auch @Annika Heinrich in einer Fortbildung.


  2. Aufmerksamkeit in Social Media für das Thema erzeugen. Und ja: natürlich ist Social Media nicht wegzudenken, wenn es um Reichweite und Aufmerksamkeit für das Thema geht. Mit Instagram und TikTok können z.B. gezielt jüngere Frauen adressiert werden. Meinen Beitrag dazu leiste ich gerade hier und heute 😊.


  3. Content-Formate kombinieren. Kurze Lernvideos, Podcasts, kleine Infobites, Newsletter, Webseiten, die richtige Mischung führt schneller zum Erfolg.

 

 

SICHTBARKEIT/KOOPERATION

Über welche „Bühnen“ spreche ich potenzielle Gründerinnen an?

 

  1. Sichtbarkeit durch Auszeichnungen fördern.

    Gründungspreise speziell für Frauen, Pitches von Gründerinnen öffentlich vor Publikum, beides sind gute Aufhänger für die Kommunikation und leisten einen wichtigen Beitrag, um das Thema Female Entrepreneurship sichtbarer zu machen. Entsprechende Events können helfen, Kapitalgeber zu überzeugen, sie sind eine tolle Trainingsplattform, sie bieten Frauen eine Bühne und sorgen auch für mediale Reichweite. Im Rahmen der Düsseldorfer Start-up-Week im Sommer 2025 durfte ich bei den Business and Professional Women ein tolles Beispiel für ein solches Event live erleben. Auch der Businesstag für Frauen in Lichtenstein, den ich im Oktober besucht habe, erzeugt große Strahlkraft und Inspiration.


  2. Netzwerke für Frauen stärken. Gesicherte Räume („Safe Spaces“) fördern Austausch und reduzieren die Angst, Fehler zuzugeben oder „nicht genug zu wissen“. Ein Beispiel dafür im Ruhrgebiet ist z.B. der Verband „Schöne Aussichten e.V.“, dem ich angehöre, ähnliche Beispiele finden sich in allen Regionen.


 

Rubrik ORTE

Wo spreche ich potenzielle Gründerinnen an?


  1. Schulen und Hochschulen einbinden. Junge Menschen sollten früh für das Thema Gründung sensibilisiert werden. Regionale Initiativen können den Gründungen in Deutschland insgesamt Auftrieb geben. Gerade in mittelständisch geprägten Regionen bietet der anstehende Generationenwechsel in vielen Unternehmungen eine perfekte Chance für zielgerichtete Kommunikation.


  2. Kreative Orte nutzen

    Wie schon bei den Medien gilt auch bei den Orten: nicht zu eng denken. Um Frauen als

    potenzielle Gründerinnen zu erreichen, sollte man sie dort suchen, wo sie sich regelmäßig aufhalten: Kitas, Sportvereine, bei der VHS, bei Führungstrainings, Yogakursen, usw. Auch Restaurants, Museen, Cafés und Arztpraxen können geeignete Orte sein, um Frauen zielgerichtet anzusprechen.

 

*Alle diese Empfehlungen stammen aus der RKW-Studie „Frauen für das Thema Gründung gewinnen und (potenzielle) Gründerinnen zielgerichtet ansprechen" 2024. Hier der Link zur Studie: https://www.rkw-kompetenzzentrum.de/publikationen/leitfaden/2024/frauen-fuer-das-thema-gruendung-gewinnen-und-gruenderinnen-zielgerichtet-ansprechen/

Autorenschaft: Gorynia-Pfeffer, N., Baharian, A., Schauer, J., Täube, F.


Mein Resümee:

Das Potenzial weiblicher Gründungen ist enorm. Ihr Engpass liegt nicht im Können, sondern im Zugang. Wir müssen endlich die Rahmenbedingungen schaffen, die dieses Potenzial freisetzen. Wenn Unterstützungsstrukturen die Unterschiede weiblicher Gründungen respektieren, entsteht ein Gründungsökosystem, das innovativer, diverser und resilienter ist. Davon profitieren nicht nur Frauen, sondern die gesamte Volkswirtschaft.

 
 
 

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