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42 IST die Antwort– aber wie war nochmal die Frage?

  • reufzaat
  • 29. Dez. 2025
  • 4 Min. Lesezeit
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Ein augenzwinkernder Versuch einer philosophischen Betrachtung über künstliche Intelligenz, über Antworten ohne Fragen und über die tiefgreifende Veränderung dessen, was es heute noch heißt, Mensch zu sein.


„Der Einsatz künstlicher Intelligenz macht es leichter denn je, Antworten zu finden.

Die Herausforderung der Zukunft besteht darin, die richtigen Fragen zu stellen.“


Der Autor möge mir verzeihen, aber ich habe die Quelle nicht mehr recherchieren können, trotzdem ging mir dieses Zitat nicht aus dem Kopf und ich musste in der nächsten logischen Sekunde schlagartig an den Anhalter durch die Galaxis denken. Dort lautet die Antwort auf die „ultimative Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest“ bekanntlich: 42. Perfekte Antwort. Nur dumm: Niemand kannte die eigentliche Frage.

Und genau darin erkenne ich unsere Gegenwart wieder.

 

Wir leben in einer Welt voller perfekter Antworten


Noch nie war es so einfach, Antworten zu bekommen. KI liefert uns in Sekunden:


  • Strategien

  • Texte

  • Analysen

  • Diagnosen

  • Entscheidungen auf Knopfdruck.


Schnell, effizient, günstig, nicht immer korrekt, aber trotzdem verstörend gut.


Doch während unsere Antworten immer besser und Informationen immer leichter verfügbar werden, frage ich mich:


Wer kümmert sich eigentlich noch um die Qualität unserer Fragen?

Denn eine perfekte Antwort ist nur so gut wie die Frage, auf der sie basiert. Und eine perfekte Antwort auf eine falsche Frage kann gefährlicher sein als gar keine Antwort.



Die eigentliche menschliche Frage ist nicht das „Was“, sondern das „Warum“


In meinen Gesprächen mit Menschen, in Coachings, Diskussionen und Workshops zeigt sich immer wieder: Die tiefste menschliche Frage ist nicht die nach dem nächsten Tool, dem nächsten Schritt oder der nächsten Optimierung.

Es ist das Warum?


Warum lebe ich? Warum tue ich, was ich tue? Werde ich gebraucht? Was ist sinnvoll?

Wer bin ich? Jenseits von Rollen, Leistung und Erwartungen?


KI kann uns beim Wie?  helfen. Sie kann uns beim Was? unterstützen.

Aber das Warum?  bleibt unberechenbar, nicht delegierbar, zutiefst menschlich.

Und genau hier beginnt die eigentliche Herausforderung unserer Zeit.

 


Wenn Antworten entlasten,aber Fragen Verantwortung bedeuten


Autonomie ist kostbar, aber sie ist bisweilen auch anstrengend. Wer selbst entscheidet, trägt die Verantwortung. Und wer Verantwortung trägt, kann niemandem die Schuld geben, wenn etwas schiefgeht.


In einer Welt mit unendlich vielen Optionen wird genau das zur Überforderung:


  • Welche Richtung ist die richtige?

  • Welche Entscheidung die beste?

  • Welches Leben ist „meins“?

 

Es ist verführerisch, diese Last abzugeben.

An Autokraten. An Systeme. An Algorithmen. An KI.

 

Das ist historisch gesehen nicht neu. Wir Menschen waren immer schon geneigt, uns an starken Figuren zu orientieren, die versprechen, Ordnung ins Chaos zu bringen, Entscheidungen zu übernehmen und Komplexität zu reduzieren. Der Wunsch, Verantwortung abzugeben, ist kein neues Phänomen und äußerst verführerisch.


Ich berücksichtige dieses Bedürfnis nach Einfachheit auch bei mir selbst. Alle zwei Wochen im Fußballstadion ist die Welt für 2 × 45 Minuten (okay, inzwischen mit ordentlicher Zeitzugabe) für kurze Zeit übersichtlich. Schwarz und weiß. Wir gegen die. Keine Grauschattierungen. Und es macht Spaß, auch wenn ich weiß, dass es nicht die Realität ist. Vielleicht, weil es zeigt, wie sehr wir Menschen uns nach Klarheit sehnen, wenn die Wirklichkeit zu komplex wird.


Nicht, weil Menschen per se schlecht oder bequem sind, sondern weil Freiheit ohne innere Reife sich nicht wie Freiheit anfühlt, sondern wie Überforderung.

 

KI als Werkzeug, Verstärker – oder Ersatzdenker?


Für mich ist und bleibt KI ein grandioses Werkzeug. Manchmal ein Verstärker.

Und – wenn wir sie klug nutzen – sogar ein Sparringspartner. KI kann das, wenn wir ihr sagen, dass wir genau das von ihr erwarten.


Ein echter Sparringspartner:

  • erweitert meinen Horizont

  • reizt mich

  • provoziert mich

  • zwingt mich, Stellung zu beziehen

  • macht mein Denken schärfer, nicht bequemer.

 

Doch genau hier liegt der Unterschied:

Ein Sparringspartner fordert mein Denken heraus.

Ein Ersatzdenker nimmt mir das Denken ab.


Dort, wo Menschen beginnen, ihr „Wer bin ich?“ an eine Maschine auszulagern, beginnt aus meiner Sicht eine echte Gefahr: der Verlust von Autonomie.

 

 

Wer formuliert heute eigentlich unser „Warum“?


Über Jahrhunderte hinweg war das „Warum“ für viele Menschen klar verortet: in der Religion, in der Kirche, in festen moralischen und gesellschaftlichen Normen und Ordnungen. Sinn wurde nicht gesucht, sondern empfangen. Werte waren vorgegeben, Rollen eindeutig verteilt, Lebenswege häufig von Geburt an vorgegeben.


Heute ist das anders. Zum Glück. Unsere Gesellschaft ist vielfältiger, freier, offener geworden. Und gerade darin liegt ihre große Stärke und zugleich ihr größte Schwäche. Denn diese Freiheit hat eine Kehrseite: Das „Warum“ ist nicht mehr kollektiv qua Geburt beantwortet. Es ist zu einer individuellen Aufgabe geworden.


Was früher Institutionen getragen haben, muss heute jede und jeder Einzelne selbst aushandeln: Werte, Haltung, Sinn, Identität. In einer Welt voller Möglichkeiten bedeutet das nicht nur Freiheit, sondern auch Orientierungslosigkeit. Und genau in dieses Vakuum treten nun zunehmend andere Akteure: Märkte, Medien, Plattformen und Algorithmen.


Sie bestätigen uns. Sie beruhigen uns. Sie halten uns in vertrauten Denkmustern.

Doch echte Entwicklung entsteht nicht durch Bestätigung. Sie entsteht durch Reibung.

Die unbequeme Wahrheit ist: nicht die KI formt oder verändert unser Denken.

Es ist unsere allzu leichte Bereitschaft, uns nicht von ihr herausfordern zu lassen.

 

KI ist kein Problem;

KI ist unser Spiegel


Die vielleicht ehrlichste Frage lautet nicht: „Was wird KI mit uns in der Zukunft machen?“

Sondern: „Wieviel von uns bringen wir selbst in diese Technologie hinein?“

Unsere Bequemlichkeit? Unsere Vorurteile? Unsere Angst vor Verantwortung? Unsere Sehnsucht nach Entlastung? Unsere Unlust, uns selbst infrage zu stellen?

 

So sehr wir uns nach Orientierung sehnen: am Ende bleibt eine Wahrheit unbequem bestehen:


Niemand kann uns die Entscheidung über unser eigenes Leben abnehmen.

Auch keine KI.


Nicht zu entscheiden ist auch eine Entscheidung. Delegieren ist ebenfalls eine Wahl.

Und auch dafür trägt jeder einzeln die Verantwortung.

Vielleicht ist das die eigentliche Zumutung unserer Zeit: Dass wir technisch immer mehr abgeben können, aber existenziell nichts abgeben dürfen.

 


Vielleicht ist 42 heute unsere bequemste Antwort


42 ist eine brillante Metapher. Eine Antwort ohne Frage.

Eine Lösung ohne Sinn. Eine Gewissheit ohne Verantwortung.

Vielleicht ist unsere größte Aufgabe im KI-Zeitalter nicht, bessere Antworten zu bauen.

Sondern den Mut wiederzufinden, uns selbst die richtigen Fragen zu stellen.

 


Epilog


Und jetzt entschuldige mich bitte. Ich muss noch eine ganz praktische Frage klären:

Was esse ich heute Abend? Auch das ist manchmal überraschend komplex.

Und auch dafür ist KI übrigens erstaunlich gut. 😊


Und manchmal ist die Frage nach dem Sinn des Lebens ganz einfach:

42:

Cappuccino trinken – morgens um 03:00 Uhr – am Flughafen in Dubai – Stopover auf dem Weg in den Oman und in einen unvergesslichen, exotischen Urlaub in ein spannendes Land.

 
 
 

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